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GUCKLOCH
Kommunales Kino Furtwangen e. V.

Film - Programm Januar - Juli 2003

 

08. Januar 2003 20 Uhr
Trafic - Tati im Stoßverkehr

                                                    Land: Frankreich Jahr: 1971 Länge: 100 min. ab 8 J. tra1

    Regie: Jacques Tati

    Drehbuch: Jacques Tati und Jacques Lagrange

    Kamera: Edouard van den Enden

    Darsteller Jacques Tati, Maria Kimberly, Marcel Fraval, Honoré Bostel, Tony Kneppers

Hulot ist diesmal, noch mehr als bei den vorausgegangenen Filmen, in das Gesellschaftsleben integriert. Er arbeitet als Werbefachmann in der Autobranche und soll zusammen mit Kollegen zum Amsterdamer Autosalon fahren, um dort den neuen Altra-Campingwagen vorzustellen. Überflüssig zu erwähnen, daß Hulot erst zum Schluß der Ausstellung in Amsterdam ankommt...

Tati belebt die Unzahl von Automobilen, die hier die Hauptrolle spielen, mit ganz eigenen Charakteren. Sie geben Geräusche von sich, die nur unschwer erkennen lassen, daß sie müde, hungrig oder erschöpft sind. Die Welt in "Trafic" ist für das Auto geschaffen und wird von ihm beherrscht. Erstmals setzt Tati Filmmusik direkt korrespondierend zur Handlung ein: coole Jazzmusik begleitet die vorbeisausenden weißen Autobahnmarkierungen.

Transpositionen tauchen in "Trafic" besonders häufig auf. "Einmal blickt man von oben auf die Autos der Ausstellung. Eine Reihe glühender Autofanatiker schart sich um einen Wagen und beugt sich unter dessen Kühlerhaube. Man hat den Eindruck, als werde die Gruppe vom Auto verschlungen" (Brent Maddock: Die Filme von Jaques Tati).

Chaplin, Keaton und Lloyd sind das Dreigestirn, das das Genre Filmkomödie mit Leben füllt. Sie brachten in den ersten zwei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ihre Hauptwerke hervor. Sie erfanden Figuren, die den amerikanischen Verhältnissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsprachen, aber eigentlich hätte die moderne westliche Welt der 50er und 60er Jahre ihren eigenen Komödienantentypus hervorbringen können.

Der Franzose Jaques Tati ist diesem Ziel näher gekommen als jeder andere seiner Zeitgenossen. Sein von ihm erfundener und gespielter Charakter Hulot ist wie die Figuren Chaplins, Keatons und Lloyds ein Clown. Doch Hulot reproduzierte nicht gängige Muster von Komik, sondern er stellte einen neuen Typus Menschen dar, der in den modernen Zeiten hilflos umherstrudelt und doch seine kauzige Individualität behält.

Tatis Themen waren immer am Puls der Zeit und behandelten den Kampf des Menschen gegen die Maschine, den Kampf der alten gegen die neue Welt und des Mißerfolges gegen den Erfolg. Mit der Kreation seiner ganz eigenwilligen Figur des Monsieur Hulot, dieses überlangen Menschen in Hochwasserhosen und Ringelsocken, der ganz ungewollt Chaos hinterläßt, führte Tati eine stille, leise Komik ein, die die Menschen und ihre Eigenheiten zwar entlarvte, aber niemals veralberte wie es sich z. B. Chaplin nicht verkneifen konnte.

22. Januar 2003 20 Uhr

Kalt ist der Abendhauch

BRD 2000 Länge: 124 min. FSK: ab 6, empf. ab 12

Kalt1

Regie:     Rainer Kaufmann

Drehbuch: Kathrin Richter, Ralf Hertwig

Vorlage:   Roman "Kalt ist der Abendhauch" von Ingrid Noll

Kamera:   Klaus Eichhammer

Schnitt:    Ueli Christen

Musik:     Niki Reiser

Darsteller: Fritzi Haberlandt (Charlotte, jung), August Diehl (Hugo, jung), Gisela Trowe (Charlotte), Heinz Bennent (Hugo), André
                Hennicke (Bernhard), Ingo Naujoks (Anton), Vadim Glowna
(Vater Hoffmann), Elisabeth Trissenaar (Margot Hoffmann),
                Georgia Stahl (Ida), Devid Striesow (Ernst-Ludwig), Gisela
Schneeberger (Regine), Fabian Busch (Felix)

Fast ein ganzes Leben wartet Charlotte auf den Mann, von dem sie weiß, dass er der richtige für sie ist: Hugo, der Mann ihrer Schwester.Sie lebt ihr eigenes Leben, übersteht den Krieg, Ehemann und Liebhaber, wird dreifache Mutter, hat im wahrsten Sinne des Wortes eine Leiche im Keller und trifft am Ende ihrer Tage, nun schon über 80, ihre große Liebe wieder.Die Erfüllung dieser Leidenschaft liegt in der Bestätigung: Auch Hugo hat - zu spät - erkannt, dass es nur eine wirkliche Liebe in seinem Leben gab. "Vielleicht braucht es ein ganzes Leben, um fünf Minuten glücklich sein zu können".

Rainer Kaufmann inszenierte einen Film, der lange nachwirkt. Die Menschen treten aus Ingrid Nolls Roman-vorlage in einer Melancholie und Schönheit hervor, dass der Abschied von ihnen sehr schwer fällt. Besonders wenn Gisela Trowe als ältere Charlotte am Schluss weise sagt: "Manchmal braucht es ein ganzes Leben, um fünf Minuten glücklich zu sein."

Filmkritiken:

Dirk Jasper (CyberKino): "Kalt ist der Abendhauch" ist der vorletzte und bisher bei weitem erfolgreichste Roman von Ingrid Noll, der meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellerin. Rainer Kaufmann, einer der talentiertesten Gegenwartsregisseure, hat die große, aufwändig ausgestattete Liebesgeschichte inszeniert.

Jens Golombek (TV Movie) 2000-20: "Ich wollte schon immer ein großes Liebesepos inszenieren", sagt Rainer Kaufmann, das ist ihm mit seinem neuen Kinofilm gelungen. Große Geschichten brauchen große Bilder. Deshalb dreht Kaufmann für die Leinwand und nicht für die Flimmerkiste. Deshalb strahlt jede Einstellung edle Gediegenheit aus. Und inmitten der schicken Dekors spielt ein Ensemble, wie man es lange nicht im Kino gesehen hat. Reingehen und einen schönen Abend haben!

Cinema 2000-09: Glaubt man der Erfolgsautorin Ingrid Noll und ihrem Roman "Kalt ist der Abendhauch", dann hat jeder eine Leiche im Keller. Auf dieser Grundlage hat Regisseur Rainer Kaufmann ("Die Apothekerin") keinen Krimi, sondern eine wunderschöne und dramatische Liebesgeschichte inszeniert, in der u. a. August Diehl und Fritz Haberlandt glänzen. Taschentücher nicht vergessen!

film-dienst 2000-19: Hervorragend gespielte, handwerklich sorgfältige Verfilmung eines Ingrid-Noll-Romans. Eher schwerfällig erscheint die altmodische Rückblenden-Struktur, wobei die Balance zwischen melodrama-tischen und komödiantischen Elementen allzu unentschieden ausfällt.

 

Krie1 05. Februar 2003 20 Uhr
Der Krieger und die Kaiserin

Land: BRD Jahr: 2000 Länge: 129 min. FSK: ab 14 J.

Regie: Tom Tykwer

Produzent: Stefan Arndt, Maria Köpf

Drehbuch: Tom Tykwer

Kamera: Frank Griebe

Schnitt: Mathilde Bonneloy

Musik: Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil

                                                    Darsteller: Franka Potente (Sissi), Benno Fürmann (Bodo), Joachim Król (Walter), Lars Rudolph (Steini), Melchior Beslon (Otto), Ludger Pistor
                                                                    (Werner Dürr), Jürgen
(Schmatt), Natja Brunckhorst (Meike), Marita Breuer (Sissis Muttter)

Bodo fühlt sich am gewaltsamen Tod seiner Frau schuldig. Er möchte weit weg und vergessen. Das Geld dafür soll aus einem Banküberfall kommen, den er gemeinsam mit seinem Bruder plant. Die zurückgezogen lebende Krankenschwester Sissi arbeitet in einer psychiatrischen Klinik. Sie gerät unter einen Laster, dessen Fahrer wegen Bodo einen Moment abgelenkt wurde. Sie hat keine Luft zum Atmen mehr. Bodo rettet ihr mit einem beherzten Luftröhrenschnitt das Leben. Sissi hat sich in ihren Retter verliebt und nach ihrer Genesung macht sie sich auf die Suche, um ihn zu finden. Bodo weist sie brüsk ab, er hat andere Probleme. Bevor die beiden zueinander finden, muss auch sie ihn noch retten.

Ein kunstvoll gestrickter Liebesfilm, von mitreißenden Darstellern getragen, in dem es um Schicksal und Eigenverantwortung, Werte und Lebensentwürfe geht und natürlich um die alte Frage, ob die Liebe wirklich in der Lage ist, erlittene Traumata zu überwinden.

Ich glaube, wenn man seinen Sehnsüchten folgt, hat man durchaus eine Chance, sie zu erfüllen." (Tom Tykwer)

Filmkritiken

Dirk Jasper (CyberKino): Der Film erzählt von zwei Menschen, die sich erst gegenseitig retten müssen, um sich selbst und ihre Liebe zu finden. Wie alle Filme von Tom Tykwer ist auch "Der Krieger + die Kaiserin" ein raffiniertes Spiel mit den Elementen des Genrekinos, in dem Liebesgeschichte und Thriller miteinander verschmelzen. So virtuos wie noch nie gelingt Tykwer die schwierige Balance zwischen formaler Intensität und menschlicher Wärme, zwischen hypnotischen Bildern und anrührenden Gefühlen. Und er wartet mit einer Liebesszene auf, die man im Kino so noch nie gesehen hat!

Björn Ahrens (TV Movie) 2000-21: Nach dem Geschwindigkeitsrausch von "Lola rennt" kommt Tom Tykwers eigenwillige Liebesgeschichte fast wie in Zeitlupe daher. In ruhigen Bildern schafft er einen von rätselhaft-schrägen Charakteren bevölkerten Kosmos. In der zweiten Hälfte lähmen die perfekten Bildkompositionen den Fortgang der Geschichte zwar etwas, doch die intensiven Darsteller steuern den Film selbst durch psychologische Untiefen.

Cinema 2000-10: Ausgerechnet in Wuppertal, der Geburtsstadt von Regisseur Tom Tykwer, entstand sein gefühlvolles Epos über die Liebe. Wie schon in seinem gefeierten Film "Lola rennt" schickt er Freundin Franka Potente an den Start: Als Krankenschwester Sissi sucht sie nach einen Seelenverwandten - und findet Bodo alias Benno Fürmann. Märchenhafte, in sich ruhende Liebesgeschichte.

Rolf von der Reith (TV Today) 2000-21: Perfekte Einheit von elegant verwobener Story, wundervollen Schauspielern, magischen Bildern und kühl-emotionaler Filmmusik.

TV Spielfilm 2000-21: Ein episches Liebesdrama voller Symbolik und beinah beklemmender Schönheit.

 

 19. Februar 2003 20 Uhr

VERGISS AMERIKA

AM1

Land: BRD Jahr: 2000 Länge: 129 min ab 14 J.

Regie: Vanessa Jopp

Drehbuch: Maggie Peren

Kamera: Judith Kaufmann

Schnitt: Martina Matuschewski

Musik: Michael Beckmann

Darsteller: Marek Harloff (David), Roman Knižka (Benno), Franziska Petri (Anna), Rita Feldmeier (Frau Ludoff), Andreas Schmidt-Schaller (Herr Ludoff), Gerd Lohmeyer (Herr Schreyer),
                Ursula Doll (Doreen), Janusz Cichocki (Schneider), Butz Buse (Synchron-Reg
isseur), Johannes Franke (Benjamin)

 

Eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, irgendwann in den neunziger Jahren. Hier verlieben sich die Freunde David und Benno in das Mädchen Anna, die aber Benno den Vorzug gibt. Trotzdem bleiben alle drei befreundet und die Zukunft liegt vielversprechend vor ihnen.

Anna macht ein Schauspielausbildung in Berlin. Benno erfüllt sich seinen Traum in der Kleinstadt und macht ein Geschäft mit amerikanischen Autos auf. David wünscht sich, ein großer Fotograf zu werden.

Doch nach und nach schlägt ihnen die Wirklichkeit ein Schnippchen, und die Träume zerrinnen zwischen ihren Fingern: Anna bekommt keine Engagements, synchronisiert billige TV-Serien und hat immer häufiger Streit mit Benno. Dieser verkauft über Monate hinweg kein einziges Auto und läßt sich in zwielichtige Schiebereien verwickeln.

Am2 David schließlich muß den Plan einer Fotografenausbildung in den Wind schießen, da sein Vater einen schweren Unfall hat und er sich um ihn kümmern muß. In dem Nest, das er immer fliehen wollte, fristet er seine Tage an der Fischtheke in einem Supermarkt.

Als sich Anna immer mehr David zuwendet, steht nicht nur die Freundschaft der beiden Jungs auf dem Spiel ...

Kritiken:

Dirk Jasper (CyberKino): "Vergiss Amerika", handelt von zerbrochenen Träumen und ungestillten Sehnsüchten. Aber auch von einer unbändigen Lebenswut und kleinen Fluchten mit ungewissem Ausgang. Humorvoll und intensiv erzählt Vanessa Jopp in ihrem ersten Spielfilm eine feinfühlige Geschichte aus der ostdeutschen Provinz.

Cinema 2000-11: Sie wollen raus. Raus aus der ostdeutschen Provinz. Aber wie? Wohin? In ihrem so lebensnahen wie anrührenden Regiedebüt erzählt Vanessa Jopp von den Sehnsüchten dreier Jugendlicher (Mark Harloff, Roman Knizka, Franziska Petri).

Stern 2000-46: Dreieckslieben gibt es Hunderte im Kino. Diese aber ist besonders: behutsam, unsentimental und trotzdem voller Gefühl. Und endlich mal keine Großstadt als Kulisse, sondern das platte Land: trostlos, aber auch einer der letzten Orte, um Geborgenheit zu finden. Was ist dagegen Amerika? Vergiss es.

film-dienst 2000-23: Eine stimmungsvolle Ost-West-Studie, erzählt ohne erhobenen Zeigefinger. Sie besticht vor allem durch die brillante Regieleistung und das überzeugende Spiel der Hauptdarsteller.

Rolf von der Reith (TV Today) 2000-23: Eine einfühlsame Story, witzig und wahr. Wer wagt noch zu sagen, Sachsen-Anhalt sei kein Land für große Kinostoffe?

Kultur Spiegel 2000-11: Ein Film, der mit dem Song "A Horse With No Name" beginnt, kann nicht ganz schlecht sein.

 
09. März 2003 20 Uhr Zum internationalen Tag der Frau

Die Unberührbare

Land: BRD Jahr: 1999 Länge: 110 min ab 14 J.


Regie: Oscar Roehler
,  Drehbuch: Oscar Roehler

Kamera: Hagen Bogdanski

Schnitt: Isabel Meier

Musik: Manfred Banach

Darsteller: Hannelore Elsner (Hanna Flanders), Vadim Glowna (Bruno), Tonio Arango (Ronald), Michael Gwisdek (Joachim), Bernd Stempel (Dieter), Birgit Stein (Boutique-Inhaberin),
                Jasmin Tabatabai (Meret), Charles Regnier (Hannas Vater), Helga Göhring (Hannas Mutter), Lars Rudolph (Viktor), Claudia Geisler (Carmen), Catherine Flemming (Isabelle),
                Faroque Khan (Ägypter), Nina Petri (Grete)

Oscar Roehler erzählt in "Die Unberührbare" die Lebensgeschichte der Schriftstellerin Gisela Elsner, seiner Mutter. Er verarbeitete die Geschichte der exzentrischen Schriftstellerin Gisela Elsner zu einem Psychogramm. Die Schonunslosigkeit wurde belohnt: Der Film erhielt das Bundesfilmband in Gold, Elsner wurde zur besten Darstellerin gekürt.

Hanna Flanders, ehemals erfolgreiche Schriftstellerin und Ikone der Literatur der 60er Jahre, gerät zunehmend ins gesellschaftliche und zwischenmenschliche Abseits. Ihre Bücher werden im Westen nicht mehr verlegt, nur im Ostblock werden sie noch beachtet und gelesen. Im Grunde genommen unpolitisch, projeziert sie ihre Wünsche und Ideal-Vorstellungen in die sozialistische Gesellschaft der DDR.

Mit dem Mauerfall zerbrechen auch ihre letzten Hoffnungen, Ihre politische und menschliche Isolation, verstärkt durch Tabletten- und Nikotinsucht, erreicht ihren Höhepunkt. Am Ende bleibt ihr als letzte "radikale Tat in einem an Rebellionen und Widersprüchen, an engagierter Zeitgenossenschaft und vielen enttäuschten Hoffnungen reichen Lebenslauf" nur noch die Würde der Selbstauslöschung....

Filmkritiken

Dirk Jasper (CyberKino): Der neue Film von Oskar Roehler ist ein Meisterwerk der Konzentration und menschlichen Tiefe. Die große Filmdiva Hannelore Elsner zeigt eine weitere Facette ihres enormen Könnens und untermauert ihre Ausnahmeposition innerhalb der deutschen Filmlandschaft.

TV Movie 2000-09: Bisher bedient Oskar Roehler (40) in Filmen wir "Gierig" grelle Szene-Klischees. Umso überraschender seine Sensibilität bei diesem Frauenporträt in kunstvollen, grafisch winkenden Schwarzweiß-Bildern. Absolut brillant spielt Hannelore Elsner die verzweifelte Schriftstellerin, die an der kalten Realität des Lebens scheitert.

film-dienst 2000-08: Der Film, in seiner kritisch-zärtlichen Distanz ein Balanceakt, erweist sich in allen Belangen als künstlerisch eindrucksvoll und erregend. Maßgeblichen Anteil daran hat die überragende Hannelore Elsner in der Titelrolle.

Cinema 2000-04: So grandios wie in diesem aufrüttelnden Porträt einer tragisch scheiternden Künstlerin spielte Hannelore Elsner selten.

Blickpunkt Film: Dieses subtil inszenierte Drama gehört zum Besten, was der deutsche Film derzeit bietet.

 

 

Reif1 26. März 2003 20 Uhr

Die Reifeprüfung

OT: The Graduate

Land: USA Jahr: 1967 Länge: 101 min. ab 12 J.

Regie: Mike Nichols

Drehbuch: Buck Henry, Calder Willingham, Vorlage: Die Reifeprüfung von Charles Webb

Kamera: Robert Surtees

Schnitt: Sam O'Stehen

Musik: Dave Grusin, Paul Simon

Darsteller: Dustin Hoffman (Benjamin Braddock), Anne Bancroft (Mrs. Robinson), Katharine Ross

(Elaine Robinson), Murray Hamilton (Mr. Robinson), William Daniels (Mr. Braddock),

Elizabeth Wilson (Mrs. Braddock), Brian Avery (Carl Smith)

Reif2 Der 20jährige Ben Braddock (Dustin Hoffman) wird nach dem College-Abschluß von seinen wohlhabenden Eltern mit einer Überraschungsparty empfangen. Bei dieser Gelegenheit bittet ihn Mrs. Robinson (Anne Bancroft), die Frau eines väterlichen Geschäftsfreundes, sie nach Hause zu fahren. Hinter deren gleichgültiger Maske verbirgt sich eine lüsterne Laszivität, mit der sie Ben verführt: der Beginn einer leidenschaftslosen Affäre. Ebenso erscheint Ben auch der Alltag im Haus der Eltern. Ein bißchen Plätschern im Swimmingpool, mit dem Examens-geschenk (einem Alfa Romeo) herumfahren, begeistern kann er sich für nichts. Doch dann trifft er Mrs. Robinsons Tochter Elaine (Katharine Ross) und verliebt sich in sie. Die rasend eifersüchtige Mutter versucht mit allen Mitteln, die zarte Romanze der beiden zu beenden...


Die verhaltene Erotik des Films traf genau den Nerv des damaligen Publikums. Mit der orientierungslosen, unsicheren Hauptfigur identifizierte sich Ende der 60er eine Generation Heranwachsender. «The Graduate» (Originaltitel) war einer der ersten US-Spielfilme, der die Insignien der gehobenen US-Mittelklasse vom Sportwagen bis zum Swimmingpool in Frage stellte (was zwei Jahre später «Easy Rider» noch radikaler tat). Dustin Hoffman machte seine Rolle als Antiheld und widerwilliger Rebell gegen die Arroganz und Doppelmoral der Elterngeneration über Nacht zum Star. Der damals 30jährige hatte sich jahrelang vergeblich um Rollen beim Film bemüht, als Wärter im Irrenhaus und Kellner gejobbt und erst durch seine Rolle in dem Theaterstück «Eh» die Aufmerksamkeit des Regisseurs Mike Nichols erregt, der für «Die Reifeprüfung» den Oscar erhielt. Auch seine Wahl des Soundtracks war ein Treffer: «Simon & Garfunkel» unterstrichen mit ihrem melancholisch-verträumten Folk-Pop (u. a. «Mrs. Robinson», «Sounds of Silence») perfekt die Stimmung des Films.

Oscar für 1967 für Mike Nichols (Regie)

Für Dustin Hoffman bedeutete die Rolle des Benjamin Braddock den Durchbruch zum Topstar. Nichols hatte ihn aus Hunderten von Konkurrenten ausgewählt, weil Hoffman bei den Probeaufnahmen so unsicher und linkisch wirkte. Obwohl bereits 30 Jahre alt, spielte Dustin den Abiturienten völlig glaubwürdig. Nach dem Film überschütteten ihn Frauen mit Heiratsanträgen und Produzenten mit Filmangeboten. Der Song "Mrs. Robinson" wurde ein Evergreen und einer der bekanntesten Hits von Simon & Garfunkel.

Filmkritiken

Lexikon des internationalen Films: Temporeich Gesellschaftssatire, die gleichermaßen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt, die sich aber deutlich auf die Seite der unangepaßten Söhne und Töchter schlägt. Pop - Elemente und spitzem Humor inszeniert.

  

09. April 2003 20 Uhr

Bismuna – ein Abenteuerfilm

Land: BRD Jahr: 1999 Länge: 107 min ab 12 J.

Regie: Uli Kick

Drehbuch: Uli Kick, Petra Heilingbrunner

Kamera: Krzysztof Ordon

Musik: Wolfgang Neumann

Darsteller: Dieter Dubbert u.v.a.

 Bis1

Mangrovensümpfe, Hitze, extreme Luftfeuchtigkeit, kein Strom, kein Telefon, nur ein paar Pfahlbauten - das ist Bismuna, ein Dorf der Miskito-Indianer im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua. Hier lebt der Sozialpädagoge Dieter Dubbert mit zehn straffälligen und drogenabhängigen deutschen Jugendlichen. Bismuna ist kein Urlaubs-Paradies: Wer essen will, muss im Dschungel jagen, wer kein Wasser holt, leidet Durst. Gemeinsam mit Dieter Dubbert bauen die Jungs eine Schule, eine Krankenstation und Hütten für die Indios. Die harte körperliche Arbeit und die extremen Lebensbedingungen führen bei ihnen zu erstaunlichen psychischen Veränderungen.

Bismuna, das zeigt Uli Kick in seiner Dokumentation, ist kein Ort für Aussteiger, sondern ein Ort für jene, die einen neuen Einstieg suchen. Kick dokumentiert die Ich-Findung der Jugendlichen einfühlsam und nicht ohne Situationskomik. Er lässt die Protagonisten selbst zu Wort kommen, verzichtet auf einen Kommentar und überlässt es den Zuschauern, sich eine eigene Meinung zu bilden.

 


Bismuna - "Arbeit statt Drogen"
                                                                                              Bis2

Drogenabhängigkeit - ein Problem, von dem überwiegend Jugendliche betroffen sind. Drogenkonsum führt häufig in eine Sackgasse. Nicht selten werden drogenabhängige Jugendliche auch straffällig, um ihre Sucht finanzieren zu können. Der Schritt ins Gefängnis ist dann häufig nur noch eine Frage der Zeit.

Im Indianerdorf Bismuna in Nicaragua bekommen solche schweren Fälle eine letzte Chance. Der Kinder- und Jugendhilfeverband Kiel, der überall in der Bundesrepublik Zweigstellen hat, vertraute solche Kinder dem Sozialpädagogen Dieter Dubbert an, der seit neun Jahren in Bismuna lebt und das Projekt "Arbeit statt Drogen" betreut. Der Dokumentarfilmer Uli Kick beschreibt diesen ungewöhnlichen Weg aus der Sucht, der alle Beteiligten immer wieder an ihre Grenzen bringt.

 Auszeichnungen: MediaNet Award in Gold beim Filmfest München 1999

 

30. April 2003 20 Uhr

Bis ans Ende der Welt
Land: BRD Jahr: 1991 Länge: 179 min FSK: ab 12,
                                                                                                Regie: Wim Wenders

                                                                                                Drehbuch: Peter Carey, Wim WendersEnde1

Kamera: Robby Müller

Schnitt: Peter Przygodda

Musik: Graeme Revell

Darsteller: Solveig Dommartin (Claire Tourneur), William Hurt

(Sam Farber), Rüdiger Vogler (Phillip Winter), Max von

Sydow (Henry Farber), Jeanne Moreau (Edith Farber)

Im Jahre 1999 verliebt sich eine junge Frau in einen Mann, der auf einer gefährlichen Mission rund um die Welt reist. Mit Hilfe eines Detektivs versucht sie, ihm auf den Fersen zu bleiben und wird dabei ihrerseits verfolgt von einem Mann, der sie liebt und beschützen will.

"Ein road-movie also zuerst: Es führt von Venedig nach Südfrankreich, nach Berlin nach Lissabon, nach Moskau und über die Transisibbahn nach Peking, von dort nach Tokio und San Francisco, um in Australien zum Show-Down zu finden. Dann aber auch ein Liebesfilm: denn Sam (William Hurt) wird von der Französin Claire (Solveig Dommartin), die ihm zufällig über den Weg läuft, aus Liebe 'bis ans Ende der Welt' verfolgt; aber auch ein kriminalistischer Suspens-Film: denn der Sammler von elektronischen Bildern, Sam, wird nicht nur von Claire, sondern auch von einem australischen Kopfjäger verfolgt, der einen deutschen Detektiv (Rüdiger Vogler) anheuert, den auch Claire in Dienst nimmt, womit der Kometenschwanz von Personen, den Sam hinter sich herzieht, noch gar nicht zu Ende ist....

 
Filmkritiken

Lexikon des internationalen Films: Wim Wenders' ehrgeiziges Projekt ist ein gigantischer Reise-, Abenteuer-, Science-Fiction-, Musik- und Liebesfilm, der als zentrales Thema die Sucht nach Bildern behandelt. Komplex in der Verarbeitung zahlloser Motive und faszinierend in der Technik, bietet die Geschichte wenig Raum, um eine gefühlsmäßige Anteilnahme am Schicksal der Figuren zu entwickeln.

Ende2


(Peter Buchka, Süddeutsche Zeitung v.12.9.91:)

"´Bis ans Ende der Welt' ist ein Meilenstein in der Geschichte des europäischen Films; in Kalifornien wird man ihn vermutlich hassen. Er ist nichts weniger als eine Summe abendländischer Bildung, die sich nicht scheut, etwas einzufordern, das man auch mit dem ganz aus der Mode geratenen Wort Herzensbildung umschreiben müßte. Gleichzeitig ist es ein Werk von nahezu hybridem Ehrgeiz. Denn Wenders will zusammenzwingen, was selbst die großen Klassiker der zwanziger Jahre jeweils nur auf einer Ebene schafften: er möchte stilbildend sein wie Wienes 'Caligari', visionär wie Langs 'Mabuse' und bilderbewußt wie Murnaus 'Nosferatu'. Ich finde, es ist ihm gelungen."

(Cornelia Resik, Sächsische Zeitung v.14.9.91:) "Was diesen Film ausmacht, umreißt die blinde Edith, als sie am Ende ihres langen Weltenwegs ankommt: 'Mein Leben war voller trauriger Geschichten, einzigartig schön.'"

 

 

Shine1 14. Mai 2003 20 Uhr
   SHINING

Land: USA Jahr:1979 Länge: 115 min ab 16J.

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson,

Vorlage: Roman "Shining" von Stephen King

Kamera: John Alcott

Schnitt: Ray Lovejoy

Musik: Béla Bartok, Wendy Carlos, Rachel Elkind, György Ligeti, Krzysztof Penderecki

Prädikat: besonders Wertvoll

Darsteller: Jack Nicholson (Jack Torrance), Shelley Duvall  (Wendy Torrance), Danny Lloyd (Danny Torrance),  Scatman Crothers (Dick Halloran), Barry Nelson (Stuart Ullman), Philip Stone (Delbert Grady),  Joe Turkel (Lloyd), Lia Beldam (junge Frau im Bad), Billie Gibson (alte Frau im Bad), Barry  Dennen (Bill Watson), David Baxt (1. Ranger), Manning Redwood (2. Ranger), u.a.

 

Für Schriftsteller Jack Torrance (Jack Nicholson) ist es der perfekte Job: Über den Winter soll er in den Bergen von Colorado ein leerstehendes Luxushotel hüten. Mit seiner Frau Wendy (Shelley Duvall) und Sohn Danny bezieht er die Herberge, wohl wissend, daß die Isolation seinen Vorgänger in den Wahnsinn trieb. Das kann ihm nicht passieren. Er will hier in aller Ruhe seinen Roman vollenden. Aber die Stille beginnt zu schreien: Jack wird von Visionen heimgesucht. Bald bringt er nur noch einen Satz zustande. Tausendmal tippt er ihn in die Maschine. Selbst Wendy scheint sich schließlich gegen ihn verschworen zu haben: Die Jagd durch die Flure beginnt... Mit suggestiver Musik und packenden Kamerafahrten schuf Stanley Kubrick einen nervenzehrenden Horror-Alptraum, der zum Klassiker avancierte.

Mit diesem inzwischen zum Genreklassiker gewordenen Psychothriller gelang Regie-Legende Stanley Kubrick eine der bislang besten Verfilmungen eines Stoffes shine2
von Bestseller-Dauerlieferant Stephen King. Getragen wird die Story allerdings zum Großteil von Jack Nicholson, sich in der Rolle als Psychopath mit oberfiesem
Grinsen sichtlich wohlfühlt.

Filmkritiken

Lexikon des internationalen Films: Nur an der Oberfläche ein effektvoller Horror-thriller, ist Stanley Kubricks Film eine virtuos inszenierte Studie über die Wechsel-wirkung von Wirklichkeit und Schein, Realität und Illusion - über die traumatischen Abgründe, die sich jenseits des "gesunden Menschenverstandes" auftun. Die konven-tionelle Fabel nach einem Roman von Stephen King ist nur Anlaß für eine suggestive Symphonie des Schreckens, die den Zuschauer zugleich in seinen Genreerwartungen bestätigt und seinen Blick in die Irre führt.

(Hans-Christoph Blurutenberg, DIE ZEIT).»Kubrick legt viele falsche Fährten aus, und hinter jedem Schrecken lauert ein weiterer, noch maßloserer ... Der wirkliche Horror spielt sich in den Köpfen der Figuren ab. Im furcht-barsten Moment des Films fließt kein Blut ... zersplittert keine Tür unter den Schlägen einer Axt. Im furchtbarsten Moment des Films entdeckt Wendy, daß ihr Mann monatelang nur einen einzigen kindischen Satz auf dem Maschine getippt hat, in endlosen typographischen Variationen: All work and no play makes Jack a dull boy*. Hunderte von Blättern sind mit diesem Wörtern gefüllt: Chiffren der Auflösung.« *) deutsche Fassung: »Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.«

28. Mai 2003 20 Uhr

Palast des Schweigens

OT: Shamt al kusuhr,


Land: Tunesien
 Jahr: 1994 (OmU)

Regie: Moufida Tlatli

Darsteller Amel Hedhili , Ghalia Lacroix, Hend Sabri, Sami Bouajila, Kamel Fazaa, Hichem Rostom

Nach dem Tod des Prinzen Sidi Ali kehrt die junge Sängerin Alia in den Palast der Beys, der letzten tunesischen Königsfamilie zurück. Dort verbrachte sie mit ihrer Mutter Khedija, der Dienerin und Mätresse des Prinzen Sidi Ali, ihre Kindheit. Die vertraute Umgebung ruft in ihr Geschichten wach, die sie als Mädchen erlebte und erst als Erwachsene zu verstehen beginnt: Sie erinnert sich an die verbotene Freundschaft mit der Tochter des Prinzen, an die erste Begegnung mit der Musik und an die Küche, eine Welt mit eigenen Gesetzen, in der sie zwischen ihrer Mutter und den anderen Dienerinnen aufwuchs. . Und auch Erinnerungen an erste Gerüchte über Generalstreiks und die Unabhängigkeitsbestrebungen von Frankreich steigen in ihr auf. Das undurchdringliche Schweigen der Mutter und die bedrückende Stille angesichts der täglichen Demütigungen kommen ihr genauso wieder in den Sinn wie der Tag, an dem sie sich ihrer Weiblichkeit und damit des goldenen Gefängnisses, in dem sich die Frauen bewegen, gewahr wurde.

Palast2

Moufida Tlatli klagt in ihrem poetisch fotografierten Regiedebüt die Unterdrückung tunesischer Frauen an. Wer sich auf ihren ruhigen Erzählstil einlässt, entdeckt, dass die scheinbare "Trägheit" hier selbst kleinen Gesten große Bedeutung verleiht. Tlatli studierte in den 60ern an der Pariser Filmhochschule und kehrte 1972 nach Tunesien zurück. Ihr Emanzipationsdrama erhielt beim Filmfestival in Cannes 1994 die Goldene Kamera.

 

 

 

 

 

 25. Juni 2003 20 Uhr

Das süße Jenseits

OT: The Sweet Hereafter

Land: Canada 1997 Länge: 110 min. ab 14 J.

Regie: Atom Egoyan

Drehbuch: Atom Egoyan

Vorlage: Roman "Das süße Jenseits" von Russell Banks

Kamera: Paul Sarossy

Schnitt: Susan Shipton

Musik: Mychael Danna

Darsteller: Ian Holm (Mitchell Stephens), Sarah Polley (Nicole Burnell), Bruce Greenwood (Billy Ansell),

Tom McCamus (Sam Burnell), Arsinee Khanjian (Wanda Otto), Alberta Watson (Risa Walker), Gabrielle Rose (Dolores Driscoll), Maury Chaykin (Wendell Walker), Brooke Johnson (Mary Burnell), Earl Pastko (Hartley Otto), David Hemblen (Abbott Driscoll), Stephanie Morgenstern (Alison)

Ein schweres Unglück hat die Einwohner des kanadischen Städtchens Sam Dent traumatisiert: Der Schulbus ist im vereisten See eingebrochen, 14 Kinder ertranken. Lediglich Nicole (Sarah Polley) und die Busfahrerin haben überlebt. Großstadtanwalt Mitchell Stevens (Ian Holm) sucht die Stadt auf. Er will die Frage nach dem Schuldigen klären und für die Hinterbliebenen Schadensersatz einklagen. Dabei wird dem Rechtsexperten langsam klar, wie sehr sein eigenes Lebensthema die treibende Kraft des Falls ist: Seine Tochter starb an einer Überdosis Drogen. Am Ende erkennt Stevens, dass die Frage nach dem Warum und nach der Schuld manchmal nicht geklärt werden kann.

Jen1

Atom Egoyans Drama erhielt viele Preise, allein in Cannes den Großen Preis der Jury und den FIPRESCI-Award. Mit seinen neuen Erzählperspektiven und gewagten Kameraeinstellungen verlangt er seinen Zuschauern viel Geduld und Aufmerksamkeit ab. Doch selten hat sich das mehr gelohnt als hier.

Filmkritiken

Dirk Jasper (CyberKino): "Das süße Jenseits" ist ein bewegender Film über Verlust und Trauer und die Verantwortung, die wir alle für das Schicksal unserer Kinder tragen.

TV Spielfilm 05/1998: Zum Glück wird ein Film mit der Zeit nicht schlechter, denn Atom Egoyans in Cannes mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnete Rachegeschichte nach einem Roman von Russell Banks sollte schon Ende Januar ins Kino kommen.

film-dienst 05/1997: Ein Film über Verlust und Leid, der als Lehrbuch in Sachen überlebenswichtiger Trauerarbeit verstanden werden kann. Trotz des bewegenden Themas hält die sehr artifizielle Machart den Zuschauer auf Distanz und ermöglicht ihm so eine weitgehend emotionsfreie Auseinandersetzung mit existentiellen Sinnfragen.

09. Juli 2003 20 Uhr

Niki de Saint PhalleNiki1

Land: BRD

Jahr: 1995

Länge: 93 min.

FSK: ab 8 J.
Regie: Peter Schamoni

Phantasievolle bunte Riesenplastiken machten die französische Bildhauerin Niki de Saint Phalle berühmt. Ihr größtes Werk steht in der Toskana nahe Grosseto: Ein Skulpturengarten mit 22 Figuren, die die Hauptkarten des Tarotspiels symbolisieren.


Der Filmemacher Peter Schamoni steckt mit diesen PlastikNiki2 en den Rahmen der Biographie ab.
Niki wurde 1930 geboren. Sie begann als Fotomodell, wurde dann Schauspielerin und später als
Performance - Künstlerin berühmt. Bis 1991 lebte und arbeitete sie mit dem Schweizer Kollegen Jean Tinguely zusammen.

Das Porträt erhielt 1996 den Bayrischen Filmpreis.

 

 

  

23. Juli 2003 ab 20 Uhr Musik und Bewirtung

Wenns Wetter mitmacht: OPEN AIR – KINO
  Italienisch für Anfänger

Ital1
OT: Italiensk for begyndere,

Land: Dan Jahr: 2000 Länge: 108 min. ab 14 J.

Regie: Lone Scherfig

Drehbuch: Lone Scherfig

Kamera: Jørgen Johansson

Schnitt: Gerd Tjur

Darsteller: Anders W. Berthelsen (Andreas), Peter Gantzler (Jørgen Mortensen), Lars Kaalund (Hal-Finn), Ann Eleonora Jørgensen (Karen), Anette Støvelbæk (Olympia), Sara Indrio Jensen (Giulia), Elsebeth Steentoft (Küsterin), Rikke Wölk (Krankenschwester), Bent Mejding (Pastor Wredmann)

 

Der junge Pastor Andreas, die Friseuse Karen, die Kondito-reiverkäuferin Olympia, der Hotelportier Jorgen, der Restaurant-Manager Hal-Finn und die Kellnerin Giulia haben drei Dinge gemeinsam: Sie leben in demselben Vorort von Kopenhagen, sie sind Singles und haben alle schon den ein oder anderen Schicksalsschlag erlebt. Andreas hat kürzlich seine Frau verloren, Karens Mutter ist alkoholkrank, Olympia lebt mit ihrem depressiven Vater zusammen, Jorgen ist impotent und Hal-Finn steht zusammen mit Giulia kurz vor der Kündigung.

Was kann da noch helfen?? Ein Italienischkurs, der von der Gemeinde ins Leben gerufen wird, klingt viel versprechend. Endlich ein Treffpunkt für die einsamen, aber romantischen Kleinstädter, die sich doch so gerne näher kommen möchten. Schließlich hat Giulia schon lange ein Auge auf Jorgen geworfen, Hal-Finn lässt sich gerne die Haare bei Karen schneiden und Pastor Andreas mag den Kuchen am allerliebsten bei Olympia.

So kommen die Dinge langsam in Bewegung. Zweimal die Woche versammeln sich die seltsamen Charaktere in einem viel zu großen Klassenraum und hören gespannt dem charmanten Italienischlehrer Marcello zu. Doch der heißblütige Marcello erleidet unvorhersehbar einen Herzinfarkt. Was nun? Glücklicherweise entschließt sich Hal-Finn, der bereits über fortgeschrittene Italienisch-Kenntnisse verfügt, für den verstorbenen Marcello einzu-springen und den Kurs weiterzuführen. Nach und nach verlassen die sechs ihre ausgetretenen Pfade und machen sich auf einen weiten Weg zueinander, der in diesem Fall auch über Venedig führt...

Ital2
Filmkritiken

Renée Wieder (TV-Movie) 2002-02: Nichts ist faul im Staate Dänemark - so lange seine Filme so melancholisch, warmherzig und witzig ausfallen. Statt von kitsch oder schwergewichtiger Dramatik lebt Lone Scherfigs Beziehungsreigen von ungekünsteltem Humor und menschlichen Gesten. Wenn zum Beispiel Leute auf der falschen Beerdigung auftauchen (und trotzdem bleiben), weiß der Zuschauer nicht, ob er lachen oder weinen soll.

Rhein-Zeitung 2002-01-19: Angenehm unaufdringlich macht der Film mit den Figuren bekannt, lässt Vergangenheiten, Querverbindungen und künftige Beziehungen aufscheinen. Nicht, was in diesem Film geschieht, ist das Ereignis, sondern, wie es geschieht. Wir begegnen Menschen ohne Glanz, Glitter und aufgesetzter Dramatik. Aber sie gewinnen schnell unser Interesse, und wir verabschieden sie nicht ohne Wehmut als gute Bekannte, die man gerne einmal wiedersehen möchte.

film-dienst 2002-02: Die melodramatische Komödie kreist subtil um die Themen Glaube, Glück und Versöhnung und überzeugt durch leisen, feinen Humor, psychologische Dichte sowie den Mut, Alltagsmenschen mit ihren Macken ernst zu nehmen.

Rolf von der Reith (TV-Today) 2002-02: Italienisch für Anfänger: molto bene! Zu Deutsch: einfach klasse!

TV-direkt 2002-02: Dogma-Film zwischen tristem Sozialdrama und heiterer Romantik-Komödie.

DOGMA 95

"Italienisch für Anfänger" ist ein Produkt von Dogma 95, einem Filmregisseur-Kol-lektiv, gegründet 1995 in Kopenhagen, als "Rettungsaktion, um bestimmten Ten-denzen im modernen Kino entgegenzuwirken". Dogma 95 bekämpft das Autoren-Konzept, Maske, Illusionen und dramaturgische Vorhersehbarkeit. Dogma 95 wünscht, Film so zu reinigen, dass wieder "das Innenleben der Figuren den Plot rechtfertigt". Die ersten Regisseure , die den "Schwur der Keuschheit"

Lone Scherfig von Dogma 95 ablegen, waren Lars von Trier und Thomas Vinterberg.

Der Schwur der Keuschheit:

  1. Es darf nur am Schauplatz gedreht werden. Sets und Requisiten sind verboten. (Wenn eine besondere
  2. Requisite für die Geschichte notwendig ist, muss ein Drehort gefunden werden, an dem die Requisite

    vorhanden ist.)

  3. Der Ton darf niemals unabhängig von den Bildern produziert werden oder umgekehrt. (Musik darf nur dann
  4. verwendet werden, wenn sie dort gespielt wird, wo die jeweilige Szene gedreht wird.)

  5. Es wird ausschließlich mit Handkamera gedreht. Jede Bewegung oder Bewegungslosigkeit, die mit der Hand
  6. erreicht werden kann, ist erlaubt.

  7. Der Film muss in Farbe gedreht werden. Spezielle Beleuchtung wird nicht akzeptiert. (Wenn zu wenig Licht

zur Verfügung steht, muss die Szene geschnitten werden oder eine einzelne Lampe an der Kamera

angebracht werden.)

5. Optische "Spielereien" und Filter sind verboten.

6. Der Film darf keine oberflächliche Action beinhalten. (Morde, Waffen, etc. dürfen nicht vorkommen.)

7. Zeitliche und geographische Verfremdungen sind verboten. (Das heißt, der Film muss Hier und Jetzt spielen.)

8. Genrefilme sind nicht akzeptiert.

9. Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.

10. Der Regisseur darf weder in den Titeln noch im Abspann genannt werden.